Kreditanalyse funktioniert anders als Aktienanalyse. Der Ausgangspunkt ist nicht das Wachstumspotenzial, sondern die Frage: Kann dieses Unternehmen seine Verbindlichkeiten bedienen – auch wenn es schlechter läuft als geplant? Diese andere Perspektive verändert, worauf man bei Jahresabschlüssen schaut und welche Kennzahlen wirklich zählen.
Bonitätsbeurteilung als Handwerk
Debt/EBITDA, Interest Coverage Ratio, Free-Cashflow-Generierung unter Stress – das sind die Kerngrößen der Kreditanalyse. Im Kurs lernen Teilnehmer, diese Kennzahlen nicht isoliert zu betrachten, sondern im Kontext von Kapitalstruktur, Fälligkeitenprofil und Covenant-Architektur. Realfälle aus dem europäischen High-Yield-Markt dienen als Arbeitsmaterial.
Ein eigenes Modul behandelt Ratingmethoden von S&P und Moody's – nicht um sie unkritisch zu übernehmen, sondern um zu verstehen, wo die eigene Einschätzung davon abweicht und warum das relevant sein kann. Abweichungen vom Konsens sind oft dort, wo interessante Investmentideen entstehen.
Kreditanalyse belohnt Skeptiker. Wer zuerst nach dem sucht, was schiefgehen kann, schützt das Portfolio besser als jeder Optimist.Programmstruktur
Kursmodule
Modul 1 – Grundprinzipien der Kreditanalyse
- Kreditperspektive vs. Aktienperspektive
- Kernkennzahlen: Coverage, Leverage, Liquidität
- Fallstudie: Unternehmensanleihe im Vergleich
Modul 2 – Kapitalstruktur und Covenants
- Senior, Subordinated, High Yield – Rangfolge und Risiko
- Covenant-Analyse: Maintenance vs. Incurrence
- Typische Covenant-Verletzungen und deren Folgen
Modul 3 – Ratingmethoden und Abweichungsanalyse
- Ratingkriterien der großen Agenturen
- Eigene Krediteinschätzung entwickeln
- Wo Ratings systematisch verzögern oder irren
Modul 4 – Bewertung von Anleihen
- Spread-Analyse und Benchmark-Vergleich
- Duration und Konvexität im Praxiskontext
- Abschlussprojekt: Kreditanalyse einer High-Yield-Emission